Fuerteventura wird oft nur auf Strand, Wind und Sonne reduziert. Dabei steckt hinter den endlosen Dünen eine der ältesten und überraschendsten Geschichten der Kanaren. Hier ist die komplette Sammlung.
1. Bei Vollmond zeigt sich ein verstecktes Stück Strand

Am berühmten Playa de Sotavento im Süden der Insel liegt bei Vollmond oder Neumond eine Sandzunge frei, die sonst dauerhaft unter Wasser liegt.
Der Gezeitenunterschied ist an diesem Strand besonders extrem, sodass sich die Küstenlinie für kurze Zeit komplett verändert.
Viele Besucher planen ihren Ausflug bewusst um diese Tage herum, um das Naturschauspiel live zu erleben.
2. Die älteste Stadt der Kanaren liegt mitten im Inselinneren

Betancuria wurde bereits 1404 gegründet und ist damit die älteste Stadt aller Kanarischen Inseln.
Bis heute liegt sie versteckt zwischen den Bergen im Westen der Insel, weit weg von den touristischen Küstenorten.
Die geschützte Lage im Tal war ursprünglich ein Schutz vor Piratenüberfällen, die die Insel über Jahrhunderte immer wieder heimsuchten.
3. Dieses Popcorn ist 250 Jahre alt

Am Popcorn Strand bei Corralejo, offiziell Playa del Bajo de la Burra, liegen unzählige weiße Kügelchen, die täuschend echt wie Popcorn aussehen.
In Wirklichkeit handelt es sich um Rhodolithen, kalkhaltige Algenfragmente, die nach ihrem Absterben an Land gespült werden und dort erodieren.
Diese Kügelchen wachsen unter Wasser nur etwa einen Millimeter pro Jahr, ein 25 Zentimeter großes Stück ist also rund 250 Jahre alt.
Das Mitnehmen des Popcorns ist deshalb streng verboten, auch wenn es trotz des Verbots immer wieder vorkommt.
4. Puerto del Rosario hieß früher Ziegenhafen
Die heutige Inselhauptstadt trug bis vor rund 40 Jahren den Namen Puerto Cabras, was übersetzt Ziegenhafen bedeutet.
Der Name war damals Programm, denn die Ziegenhaltung prägte über Jahrhunderte das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben der Insel.
Erst mit dem aufkommenden Tourismus entschied man sich für den moderneren Namen Puerto del Rosario.
5. Anfang der 90er lebten mehr Ziegen als Menschen auf der Insel
Die Ziege ist bis heute das inoffizielle Wappentier von Fuerteventura, mit rund 50.000 Tieren auf der Insel.
Zu Beginn der 90er Jahre übertraf die Zahl der Ziegen sogar die der menschlichen Bewohner deutlich.
Der bekannte Majorero Käse, der aus der Ziegenmilch der Insel hergestellt wird, ist bis heute ein fester Bestandteil der kanarischen Küche.
6. Los Lobos war einmal festes Land
Die kleine Insel vor Corralejo war vor rund 5000 Jahren noch mit Fuerteventura verbunden.
Erst der steigende Meeresspiegel trennte sie ab und schuf die Meerenge El Rio, die an der schmalsten Stelle nur 2 Kilometer breit ist.
Heute ist Los Lobos ein Naturschutzgebiet, das nur mit begrenzten Besucherzahlen pro Tag betreten werden darf.
7. In einer Höhle leben Spinnen, die es nirgendwo sonst gibt
In der Cueva del Llano haben sich blinde, pigmentlose Spinnen entwickelt, die ausschließlich in den hintersten 200 Metern dieser Höhle vorkommen.
Dieser Teil der Höhle wurde nie für den Besucherverkehr verändert, weshalb sich dort ein völlig eigenständiges Ökosystem erhalten konnte.
Die Tiere existieren nach heutigem Wissen an keinem anderen Ort der Welt.
8. Fuerteventura hat die längste Strandküste aller Kanaren
Über 150 Kilometer Küste zieren die Insel, viele davon mit hellem Sand aus Muschelkalk.
Daneben gibt es aber auch ganz andere Abschnitte, etwa dunkle Lavastrände wie in Ajuy, die einen deutlichen Kontrast zu den hellen Dünen im Norden bilden.
Diese Vielfalt macht die Insel zu einem der abwechslungsreichsten Ziele der Kanaren.
9. Die Insel wurde zum UNESCO Biosphärenreservat erklärt
Der Grund dafür ist die enorme Bandbreite an Ökosystemen auf engstem Raum, von wüstenähnlichen Landschaften über Halbwüsten bis hin zu einer artenreichen Unterwasserwelt mit Delfinen und Meeresschildkröten.
Zusätzlich hebt die UNESCO die Investitionen der Insel in erneuerbare Energien hervor, vor allem durch Windkraft und Solarenergie.
Diese Kombination aus Naturvielfalt und Nachhaltigkeit ist auf den Kanaren einzigartig.
10. Fuerteventura ist die älteste Insel der Kanaren
Mit einem geschätzten Alter von rund 20 Millionen Jahren ist Fuerteventura deutlich älter als Teneriffa, Gran Canaria oder La Palma, die gerade einmal 1,7 Millionen Jahre zählt.
Fünf Millionen Jahre lang war sie sogar die einzige Insel des gesamten Archipels, bevor sich Lanzarote und Gran Canaria aus dem Atlantik erhoben.
Diese lange Erdgeschichte erklärt auch, warum die Insel heute so flach und erodiert wirkt im Vergleich zu den jüngeren, schroffen Vulkaninseln.
11. Fuerteventura liegt näher an Afrika als du denkst
Nur 120 Kilometer trennen die Insel von der afrikanischen Küste.
Diese geografische Nähe erklärt auch die trockene, wüstenähnliche Vegetation weiter Teile der Insel.
Wetterphänomene wie der Calima, bei dem Saharastaub bis auf die Insel zieht, sind eine direkte Folge dieser kurzen Distanz.
12. Die Insel ist größer als du glaubst
Fuerteventura ist etwa so groß wie London, doppelt so groß wie Berlin und viermal so groß wie Wien.
Viele Besucher unterschätzen die Distanzen, bis sie selbst einmal von Norden nach Süden durch die Insel fahren.
Mit rund 101 Kilometern Länge ist sie zudem die am meisten in die Länge gezogene Insel der Kanaren.
13. Am Tindaya versteckt sich ein archäologisches Rätsel
Am Fuße des Berges Tindaya wurden über 300 Fußabdrücke der Ureinwohner in Stein gefunden.
Bis heute ist nicht vollständig geklärt, welche Bedeutung sie hatten, ob rituell, kalendarisch oder territorial.
Der Berg gilt daher nicht nur als Naturdenkmal, sondern auch als eines der wichtigsten archäologischen Zeugnisse der Ureinwohner der Kanaren.
14. Eine Fluchtgeschichte, die bis heute Folgen hat
In den 60er Jahren brachte ein Inselbewohner zwei Berberhörnchen als Haustiere mit.
Eines entkam, das andere wurde später freigelassen, und innerhalb weniger Jahre besiedelten die Tiere einen ganzen Hang in der Umgebung.
Heute gibt es tausende dieser Hörnchen auf der Insel, die mittlerweile als echte Plage gelten.
15. Ein Walskelett als Willkommensgruß
Am Ortseingang von Morro Jable steht das komplette Skelett eines Wals.
Es ist für jeden sichtbar, der in die Stadt hinein oder aus ihr herausfährt, und zählt zu den ungewöhnlicheren Wahrzeichen der Insel.
Für viele Besucher ist es eines der meistfotografierten Details im Süden Fuerteventuras.
16. Ein zweites Zuhause für Meeresschildkröten
Im alten Hafen von Morro Jable gibt es eine Auffangstation für verletzte Meeresschildkröten.
Die Tiere pflanzen sich regelmäßig an den Stränden der Insel fort, weshalb der Schutz ihrer Lebensräume eine wichtige Rolle spielt.
Verletzte oder kranke Exemplare werden dort gepflegt, bevor sie wieder ins offene Meer entlassen werden.
17. Die größte Ziege der Insel steht bei Antigua
Eine acht Meter hohe Ziegenskulptur des Bildhauers Juan Miguel Cubas erinnert dort an das inoffizielle Wappentier der Insel.
Sie gilt als eine der bekanntesten Fotomotive im Inselinneren.
Das Kunstwerk unterstreicht, welchen kulturellen Stellenwert die Ziegenhaltung für Fuerteventura bis heute hat.
18. Zwei Drittel der Insulaner kommen von woanders
Rund 65 Prozent der heutigen Bevölkerung wurden nicht auf Fuerteventura geboren.
Das macht die Insel zu einem echten Schmelztiegel unterschiedlicher Herkünfte und Kulturen.
Viele kamen im Zuge des Tourismusbooms der letzten Jahrzehnte und blieben dauerhaft.
19. Fuerteventura ist erstaunlich menschenleer
Nur 66 Einwohner pro Quadratkilometer leben hier, zum Vergleich, in Deutschland sind es 227.
Trotz steigender Besucherzahlen wirkt die Insel dadurch abseits der touristischen Zentren oft erstaunlich ruhig und ursprünglich.
Gerade im Inselinneren kann man kilometerweit fahren, ohne auf nennenswerte Bebauung zu treffen.
20. Ein Berg, den niemand anfassen darf
Um den Tindaya tobt seit Jahrzehnten ein Streit.
Immer wieder gab es Pläne, ihn touristisch oder künstlerisch zu erschließen, doch der Widerstand der Bevölkerung war stets so groß, dass sich keine kanarische Regierung, unabhängig von ihrer politischen Ausrichtung, je getraut hat, den Berg anzutasten.
Für viele Insulaner ist der Tindaya bis heute ein Symbol für Identität und Widerstand zugleich.
21. Das europäische Hawaii
Dank der konstanten Passatwinde und kilometerlanger Strände gilt Fuerteventura längst als das europäische Hawaii für Surfer, Windsurfer und Kitesurfer.
Besonders der Süden der Insel mit seinen verlässlichen Windbedingungen zieht das ganze Jahr über Wassersportler aus aller Welt an.
Wer einmal auf einem Brett über das türkisfarbene Wasser geglitten ist, versteht schnell, woher der Beiname kommt.

